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Nachsicht und Nachlässigkeit

Nachsicht und Nachlässigkeit

Kirchliche Ertragsimmobilien leiden oft nicht an zu viel Sozialorientierung, sondern an fehlender Steuerung. Eine Analyse zeigt geringe Renditen durch ineffiziente Verwaltung, schwaches Mietmanagement und unklare Ziele. Soziale und wirtschaftliche Ziele müssen künftig transparent, bewusst und professionell ausbalanciert werden.

Pfarrliche Ertragsimmobilien zwischen sozialem Auftrag und wirtschaftlicher Verantwortung

Kirchliche Ertragsimmobilien bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen sozialem Anspruch und wirtschaftlicher Verantwortung. Das eigentliche Problem liegt jedoch meist nicht in diesem Zielkonflikt selbst, sondern darin, dass soziale, pastorale und wirtschaftliche Ziele häufig nicht klar benannt, gegeneinander abgewogen und professionell gesteuert werden.

Die Analyse eines größeren Immobilienbestands zeigt, wie deutlich sich diese Unklarheit auswirken kann: Die durchschnittliche Rendite lag bei nur rund einem Prozent und damit unterhalb der Inflationsrate. Die Immobilien erwirtschafteten faktisch keine nachhaltigen Erträge, ohne dass dies erkennbar das Ergebnis einer bewusst gesteuerten sozialen Strategie gewesen wäre.

Drei Ursachen treten dabei immer wieder auf. Erstens sind Verwaltungsstrukturen oft zu komplex, zu kleinteilig und mit hohen verdeckten Kosten verbunden. Zweitens bleiben im Mietmanagement erhebliche Potenziale ungenutzt, weil persönliche Nähe, Konfliktscheu oder gewachsene Routinen notwendige Entscheidungen erschweren. Drittens fehlt vielerorts ein gemeinsames Verständnis darüber, welche Rolle kirchliche Ertragsimmobilien überhaupt erfüllen sollen: Ertragsquelle, sozialer Beitrag, pastorale Unterstützung oder eine Mischung aus allem.

Daraus folgt nicht, dass kirchliche Immobilien künftig ausschließlich nach Renditegesichtspunkten geführt werden sollten. Sozial motivierte Abweichungen vom Markt können sinnvoll und ausdrücklich kirchlich begründet sein. Sie sollten jedoch bewusst erfolgen, nachvollziehbar dokumentiert und hinsichtlich ihrer Wirkung überprüfbar sein. Wer auf Erträge verzichtet, trifft letztlich eine Förderentscheidung – und sollte deshalb auch transparent machen, wem diese zugutekommt und welche Kosten damit verbunden sind.

Ein zukunftsfähiger Umgang mit kirchlichen Ertragsimmobilien erfordert daher vor allem mehr Klarheit: über die Ziele des Bestands, über die tatsächlichen Kosten und Erträge einzelner Objekte sowie über deren sozialen oder pastoralen Beitrag. Erst wenn diese Dimensionen sichtbar werden, lassen sich fundierte Entscheidungen darüber treffen, welche Immobilien gehalten, professionalisiert, umgenutzt oder gegebenenfalls auch veräußert werden sollten.

Der notwendige Wandel liegt damit weder in pauschaler Marktanpassung noch in stillschweigender Rücksichtnahme. Er liegt in einer bewussten und transparenten Abwägung von Wirkung, Wirtschaftlichkeit und kirchlichen Prioritäten. Genau darin entscheidet sich, ob aus Nachsicht verantwortete Sozialorientierung wird – oder Nachlässigkeit.

Eine Langfassung dieses Artikels ist im aktuellen ZAP-Working-Paper (Mai 2026) erschienen:
➡️ https://www.zap-bochum.de/research/zapworkingpaper/

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Thomas de Nocker

Prof. Dr. Thomas de Nocker ist Theologie und Betriebswirt. Nach einem Theologie- und BWL-Studium sowie eigener Beratungserfahrung hat er 2denare im Jahr 2013 gegründet. Er verfügt über umfassende Projekterfahrung und Forschungswissen im Kirchenmanagement.

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Lukas Landen

Der erfahrene Senior-Berater bringt fundierte Expertise aus der Strategie- und Organisationsberatung kirchlicher Träger mit. Er begleitet Bistümer, Landeskirchen und kirchliche Einrichtungen bei Haushaltsfragen, Immobilienstrategien und organisatorischer Transformation. Sein Fokus liegt auf Digitalisierung und struktureller Neuausrichtung.