Kirchenfinanzen am Scheideweg

„Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen?“(Lk 14,28). Leichter gesagt als getan! Die zwei Stellschrauben „Einnahmen“ und „Ausgaben“ sind immerhin nicht so leicht zu berechnen.

Auf der kirchlichen Einnahmenseite stehen vordergründig die zurückgehenden Kirchensteuern und Staatsleistungen (auch wenn diese in einem komplexen Abhängigkeitsverhältnis stehen). Und bei den Kirchensteuern? David Gutmann, Mitautor der vielbeachteten „Projektion 2060: Freiburger Studie zu Kirchenmitgliedschaft und Kirchensteuer“ weist in einem Update darauf hin, dass im Jahr 2021 die Austrittsquote in etwa dem doppelten Niveau entsprach, die dieser Studie zugrunde gelegt wurde. Das würde einige Problemlagen verschärfen – womit wir wieder bei den Einnahmen und alternativen Finanzierungsmodellen wären. Ob Professionalisierung von Fundraising oder weitreichende Reformvorschläge, wie der Einführung eines „Otto per mille“ – klar ist: Das aktuelle jährliche gesamte Spendenaufkommen in Deutschland bildet nicht mal die Hälfte des aktuellen Kirchensteueraufkommen ab. Doch auch die Ausgabenseite wird sich den Entwicklungen anpassen müssen. Was jahrelang mitgewachsen ist, wird auch mitschrumpfen müssen. Instrument für eine solche Finanzplanung könnte eine Budgetierung sein, wie es im Erzbistum Köln favorisiert wird. Wichtig wird sein, dass dies passend zu den Pastoralkonzepten geschieht, denn wie bei allen Non-Profit-Organisationen gilt: „Geld ist AUCH wichtig.“ Dabei droht die Institution noch nicht gleich zum Notfall zu werden, wie es Daniel Deckers in der FAZ schreibt. Richtig ist hingegen, jetzt die entscheidenden Weichen zu stellen. In 10 Jahren gehen die letzten Priester der sogenannten „Babyboomer-Generation“ in Rente. Neben den erwähnten Finanzierungsmodellen und einer Budgetierung mit Prioritäten und Posteritäten wird es auch, drittens, um Transparenz gehen. In der evangelischen Kirche liegt die Haushaltshoheit bei den Synoden, die sich durch Wahl der Kirchenmitglieder konstituieren und damit eine Pflicht zur Transparenz über die Finanzen haben. Auf katholischer Seite gibt es Kirchensteuerräte und es wird sich zeigen, ob der „Synodale Rat“ zukünftig auch Verantwortung für finanzielle Entscheidungen übernehmen soll. Ein vierter wichtiger Baustein ist eine gelungene Kommunikation, beispielsweise über das Wirken der Kirchensteuer. Fünftens werden einheitliche Richtlinien – seit 2018 werden alle Jahresabschlüsse der Bistümer einheitlich erstellt – und überregionale Kooperationen zunehmen müssen. Warum braucht es beispielsweise so viele verschiedene Arten, das Meldewesen zu organisieren, wo die Aufgabe in allen Bistümern und Landeskirchen doch identisch ist? Wir werden uns in Zukunft zwar weiterhin darauf einstellen müssen, dass Haushalte von einer Landessynode als nicht genehmigungsfähig beurteilt werden oder ein Kirchensteuerrat den Haushalt eines Bistums ablehnt. Ein vorzeitiger Abgesang kommt aber zu früh. Noch verbleibt Zeit zur Kursanpassung, und die Gelegenheitsfenster sind mehrfach: Der Personalmangel zwingt ohnehin zu einer stärkeren Fokussierung; künstliche Intelligenz wird viele Verwaltungsaufgaben automatisieren können; der Ertrag aus dem Verkauf von Immobilien könnte kurzfristig Gelder für Transformation freimachen –  nur um einige der vielen Beispiele zu nennen. Ziel wird es sein, Finanzmitteln für innovative Projekt zu sichern. Dann wird die Rechnung für den Turmbau auch aufgehen, transparent sein – und Zukunft sichern.

Lukas Landen hat als Berater kürzlich den Strategieprozess im Bistum Würzburg mitbegleitet, in dem inhaltlich-strategische Ziele mit den prognostizierten finanziellen Rahmenbedingungen zusammengebracht wurden. Durch seinen Hintergrund im Bereich des Non-Profit-Managements kennt er die komplexen Herausforderungen und Lösungsansätze, die mit der strategischen Übersetzung einer Vision in konkrete operative Maßnahmen verbunden sind.