Zielkonflikte im Synodalen Rat

Der Synodale Rat hat die Aufgabe, sich einerseits mit theologischen Fragen zu befassen und andererseits die wirtschaftlichen Knappheiten zu adressieren. Wie können diese widersprüchlichen Zielsetzungen vernünftig miteinander in Einklang gebracht werden?

In einem Artikel für die Herder-Korrespondenz wird auf die Corporate-Governance-Anforderungen eingegangen, die ein Gremium mit Leitungsanspruch hat. Anlass war der von Daniel Deckers am 28. April 2024 in der FAZ veröffentlichte Artikel „Notfall Kirche“.

Der Synodale Weg sieht vor, ein Gremium zu schaffen, das überdiözesane pastorale Planungen, aber auch Zukunftsfragen der Kirche und damit Finanz- und Haushaltsangelegenheiten klärt. Ein Synodaler Rat könnte hier Lösungen zur Vermeidung von Verteilungskämpfen präsentieren. Diese zukünftigen Entscheidungen betreffen unter anderem die Finanzierung katholischer Schulen und Kindertageseinrichtungen und auch die Verwaltung der Kirchlichen Zusatzversorgungskasse (KZVK).

Ein zentrales Anliegen ist die Zusammensetzung des Synodalen Rates, der gemäß den Corporate-Governance-Grundsätzen sowohl arbeitsfähig als auch repräsentativ sein muss. Die Forschung zeigt, dass Gremien mit mehr als zwanzig Mitgliedern häufig nicht mehr als arbeitsfähig gelten. Der Synodale Ausschuss zur Vorbereitung des Synodalen Rates hat aktuell ungefähr siebzig Mitglieder. Dennoch scheint eine große Mitgliederzahl aufgrund der Repräsentation unvermeidlich. Eine Lösung wäre die Gründung diverser Fachkommissionen zur Vorbereitung spezifischer Themen.

Auch die Ausgewogenheit der Fachkompetenzen ist ein wichtiger Faktor. Mitglieder des Synodalen Rates sollten die notwendige fachliche Qualifikation besitzen, darunter theologische, ethische, juristische und ökonomische Kompetenzen sowie Personalführungskompetenz. Derzeit lässt sich hier ein Ungleichgewicht beobachten, da die Mehrheit der Mitglieder im Synodalen Ausschuss hohe theologische, jedoch weniger wirtschaftliche oder leitende Erfahrungen aufweist.

Besonders in Haftungsfragen spielt dies eine bedeutende Rolle, also wenn der Synodale Rat leitende Aufgaben übernimmt. Die Klärung der Verantwortlichkeit bei Fehlentscheidungen und die Frage der Haftbarkeit sind zentral. Die Trennung von operativer Leitung und Aufsicht wird auch im kirchlichen Kontext als wichtig erachtet. Bischöfe, die sowohl Teil der operativen Leitung als auch des Aufsichtsgremiums sind, könnten Interessenkonflikten ausgesetzt sein.

Es gibt verschiedene Modelle zur organisatorischen Struktur des Synodalen Rates. Eine Möglichkeit wäre, ihn als reines Beratungsgremium zu gestalten, dessen Empfehlungen nicht rechtlich verbindlich sind. Alternativ könnte er als Entscheidungsgremium mit einer überschaubaren Mitgliederzahl und Fachkommissionen agieren und verbindliche Entscheidungen treffen. Dies wäre jedoch nur mit Zustimmung und Mandatierung durch die römische Kurie möglich.

Ein Vorbild könnte die Gemeinsame Konferenz der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) sein, die beratende Funktionen übernehmen. Alternativ könnte der Synodale Rat die Aufsichtsfunktion über den Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) ausüben: Der Haushalt des VDD wird von den Kirchensteuerbeiträgen der Bistümer gespeist, und eine entsprechende Aufsicht könnte durch ein externes, kompetentes Gremium nach Governance-Richtlinien erfolgen.

Der Synodale Rat muss strategische Zukunftsentscheidungen treffen und dabei die finanziellen Rahmenbedingungen berücksichtigen. Dies umfasst die Aufrechterhaltung notwendiger Infrastruktur sowie die potenzielle Reduktion oder Umstrukturierung kirchlicher Angebote vor dem Hintergrund schwindender Ressourcen. Beispiele sind hier die Finanzierung von Bildungseinrichtungen, die kirchliche Zusatzversorgung und große Bauprojekte.

Die Abgrenzung zwischen beratender und entscheidender Funktion des Synodalen Rates bleibt politisch umstritten, da sie das ekklesiologische Verständnis und die Rollenverteilung innerhalb der Kirche neu definieren könnte. Eine klare strategische Ausrichtung und die Übernahme von Verantwortung durch qualifizierte Gremienmitglieder sind entscheidend.

Den Original-Artikel der Herder-Korrespondenz finden Sie auch hier und können ihn auf Anfrage gerne über uns beziehen

Thomas de Nocker, geboren 1982, Dr. theol, ist Professor für BWL an der FOM Hochschule für Ökonomie & Management in Essen. Als Geschäftsführer des Beratungsinstituts 2denare arbeitet er an der Schnittstelle von praktischer Theologie und Management.